Der ekligste
Bahnhof
des Monats


Juni 2022
Ist es schon unterlassene Hilfeleistung? Wie lange bleibt das noch so? Und was tropft da eigentlich von der Decke auf meine weißen Sneaker? Jeden Monat wird ein ganz besonderer Bahnhof zum Bahnhof des Monats gekührt. Get ready for the crème de la crème.

Und gewonnen hat in diesem Monat...



Karlsruhe Hauptbahnhof


Aber good things first: Der Bahnhof in Karlsruhe ist zwar hässlich, aber relativ sauber. Eklig ist hier also doch ein etwas übertriebenes Wort, weshalb ich es nach nur einem Monat aus dieser Rubrik schreiche. Ab jetzt wird hier also nur der Bahnhof des Monats gekührt. Warum der Hauptbahnhof Karlsruhe bei mir den Titel jetzt einen Monat lang tragen darf, ist vor allem der unschönen Gestaltung zu verdanken. Ich fühle mich dort wie in einer riesigen Lagerhalle. Der Schweiß tropft von der Stirn auf den frischgeputzten Boden. Danach wird es dunkel und chaotisch.

Oben Schwitzkasten,
unten Klaustrophobie


Die Fahrkartenautomaten stehen ungünstig im Weg. Geschäfte, Sitzbänke, Fahrstühle und Werbeanzeigen, alles scheint hier fast willkürlich platziert zu sein. Ich fühle mich bedrängt und bin schnell überfordert.



An Tagen, an denen nicht viele Menschen unterwegs sind, kann man sich immerhin oben in der "Lagerhalle" etwas entspannen. Die größte Überraschung hier: Keine Tauben. Mir ist bei meinen letzten Besuchen zumindest keine einzige fliegende Ratte aufgefallen. Chapeau, Karlsruhé.




Die größte Katastrophe bleibt aber auch nach Jahren noch der Bahnsteig 102. Hier hat man die Menschenmasse wohl vollkommen unterschätzt. Allein der Weg zu diesem recht abgelegenen Bahnsteig ist beengt und naja, nicht gerade ansehnlich. Ich nenne es mal das Abstellgleis. Von hier fährt nur leider der fast wichtigste Zug ins direkt benachbarte Rheinland-Pfalz ab. Diese Pendler sind scheinbar nicht so wichtig. Keine Sitzgelegenheiten und kaum Platz zum Atmen. Immerhin ein Dach, welches ein wenig Schatten spendet. Dazu wird man in diesen Tagen von beiden Seiten mit Baustellen konfrontiert. Da wird von vorne und von hinten gebaggert und gehämmert. So fühlt sich also ein Zementsack in einer Staubwolke.




Die gastronomische Auswahl in der riesigen Eingangshalle wirkt genauso winzig wie sie wahrscheinlich ist. Und die S-Bahn ist hier auch nur eine fast schon enttäuschende Tram. Ich bin gespannt, wie sich dieser Bahnhof entwickelt und was mich nach den Bauarbeiten auf den Gleisen erwartet.